WASCH MICH, ABER MACH MICH NICHT NASS!

Wenn uns eine Entwicklung nicht gefällt und wir sie korrigieren wollen, dürfen wir aber nicht nur das Symptom betrachten, sondern vielmehr die eigentliche Ursache. Es reicht nicht aus, wenn wir zu flicken beginnen. Wir müssen uns auf die Suche nach der Wurzel machen, wir müssen den Phänomenen, die wir beobachten, auf den Grund gehen.

Um es mit der heute so beliebten Computersprache auszudrücken: Wir brauchen nicht neue Apps, sondern ein neues Betriebssystem. Und das „Betriebssystem“ des Menschen ist Bewusstsein. Aber haben wir eine Vorstellung davon, was Bewusstsein wirklich ist? 

Die meisten Menschen gehen heute davon aus, dass es nur die Dinge gibt, die sie mit ihrem Verstand begreifen können. So ist Wissen entstanden, das heute im Übermaß vorhanden ist. Also muss es ja etwas anderes sein, dass uns Menschen in vielen Situationen wider besseren Wissens handeln lässt. 

Wenn wir die heutige politische Kultur und damit die Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft betrachten, geht es nur um die Durchsetzung der Interessen einzelner Gruppen. Jedes Bemühen um einen gesellschaftlichen Konsens mit dem Ziel, zum Wohle des Ganzen beizutragen, scheitert am Ego. In der Kultur des Wirtschaftens ist dies sogar die allseits akzeptierte Grundlage. Das verfolgte Ziel ist das Optimieren der Renditen, ganz gleich ob es dem Allgemeinwohl nutzt oder schadet. Pervers ist das Beispiel der Gesundheits-Industrie, immerhin dem zweitgrößten Wirtschaftssektor der Welt: 

Je mehr Menschen krank sind, desto höher der Profit. An vielen Stellen gilt: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Den entstandenen Schaden trägt immer die Allgemeinheit. Aber wir sind kreativ: wenn wir Gifte verstreuen, um die Erträge der industriellen Landwirtschaft zu erhöhen, nennen wir das charmant „Pflanzenschutzmittel“. Klar, aus Pflanzen lässt sich Profit schlagen, aus dem daraus resultierenden Aussterben von Insekten wohl kaum. Gut ist nur, was den Kapitalmärkten dient. 

Wer jetzt aber mit dem Finger auf die bösen Konzerne zeigt, macht es sich zu einfach. Zu einer solchen Dummheit gehören immer zwei: der Eine, der sie anbietet, und der Andere, der diese Produkte kauft. Damit wird klar: wir sind es alle miteinander, die diesen Wahnsinn verursachen. Es ist nicht nur ein Versagen des individuellen, sondern insbesondere des kollektiven Bewusstseins. Bemerkenswert daran ist: Sinn macht das ganze nicht! Es macht uns weder glücklich noch gesund, es widerspricht also fundamental unseren größten Interessen. Davon sind selbst die Reichsten und Mächtigsten von uns nicht ausgenommen. Also: Wie kann das sein? 

Diese perfide Logik steht im krassen Widerspruch zu den Gesetzen der Natur, die im Gegensatz zum heutigen Ego-System der Menschheit auf den Prinzipien des Öko-Systems beruht: Gut ist nur, was ALLEM dient! Wir haben uns also Stück für Stück denaturiert. Die Krönung des Ganzen ist nun die Schaffung einer neuen, digitalen Welt, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz, die Kontrolle übernehmen Maschinen, gesteuert von der kolossalen Selbstüberschätzung des Ego, das nun tatsächlich zu glauben scheint, wir könnten die Natur übertölpeln- Gott 2.0! Wir halten das nicht einmal aus Scham geheim, sondern feiern das als „digitale Transformation“. Ich kann es einfach nicht fassen, dass dies wirklich geschieht und nicht JEDER EINZELNE, der daran direkt oder indirekt beteiligt ist, vor Entsetzen aufschreit, wenn er über die Konsequenzen nachdenkt. Aber mit dem Denken ist das halt so eine Sache. Oder um es mit Goethe zu sagen: „Wenn ihr`s nicht fühlt, ihr werdet`s nicht erjagen!“.

Ist das nur Dummheit? Nein, es ist schlicht fehlendes Bewusstsein. Es ist der Sieg des Ego über unser wahres Selbst.

So lautet nun die aus meiner Sicht einzig wichtige Frage, wenn diese Menschheit eine Zukunft haben möchte: Wie finden wir zurück zum wahren Mensch-Sein, als untrennbarer Teil des Ganzen, unserer wahren Natur?

Um dies herauszufinden, müssen wir bei uns selbst anfangen. Wie sehen wir uns selbst, welches Bild haben wir von uns, WER UND WAS SIND WIR?

Darum geht es mir in meinem Schaffen, ich möchte dazu beitragen, dass wir uns er-innern an das, was wir wirklich sind- so viel mehr, als wir denken. Dies sollte ja eigentlich ein Leichtes sein, denn so viele sind sich ja darin einig, dass es einfach „so“ nicht weitergehen kann. Wir werden in unserem Umfeld nur wenige finden, die alles gut finden, was wir hier kritisch anmerken. Aber dann heißt es bei vielen: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“. Es sind unbequeme Wahrheiten, um die es geht. Es erinnert an den Zahnarzt: eine Wurzelbehandlung ist ohne Betäubung schmerzhaft, aber sie muss sein, wenn der Zahn wieder gesund werden soll. Aber das Neue wird im Schmerz geboren, wer wirklich etwas verändern will, muss auch bereit sein, sich vom Alten zu trennen, um den Raum fürs Neue zu schaffen.

Ich weiß ich weiß, jetzt läuten bei vielen von Euch die Alarmglocken. Wenn es an dieser Stelle überhaupt weitergeht in den Überlegungen, dann werden bei jedem viele Fragen laut. Und das ist gut so. Alles beginnt damit, dass man sich Fragen stellt. Auch meine „Wisdom Journey“ begann mit einer Frage, die ich mir selbst gestellt habe. 

Gerne möchte ich mit Euch in den Dialog gehen. Bitte stellt mir Eure Fragen. Nur dieser Diskurs bringt uns den ersten Schritt weiter. Um das ganz einfach zu machen, haben wir dazu auf unserer Website ein simples Formular eingerichtet:

https://www.brahman.de/meine-frage/

Diese Fragen werde ich zusammenfassen und im neuen Jahr per Video aus Java kommentieren. Bitte macht mutig davon Gebrauch, denn JEDE FRAGE ist eine GUTE FRAGE! Ich freue mich auf und über jede Reaktion und möchte mich bereits heute für Euer Engagement bedanken!

So viel für heute, ich grüsse mit dem javanischen 
RAHAYU! („das Beste für Dich und das Beste für Alle!“) 
und wünsche Euch einen schönen zweiten Advent!

Euer

Bernd Kolb

Link zum Artikel Tagesspiegel vom 05.12.2017